top of page

Warum fällt es mir so schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen?


Vielleicht kennen Sie das …


Endlich ist der Tag geschafft.

Die Kinder schlafen, der Laptop ist zugeklappt oder die letzten Aufgaben sind erledigt. Eigentlich wäre jetzt der Moment, um sich auf das Sofa zu setzen, ein Buch zu lesen oder einfach einmal nichts zu tun.

Doch stattdessen werden Sie unruhig.

Plötzlich fallen Ihnen noch Dinge ein, die Sie erledigen könnten. Sie greifen zum Handy, schreiben eine To-do-Liste oder räumen „nur noch schnell“ die Küche auf. Und wenn Sie sich tatsächlich hinsetzen, kreisen Ihre Gedanken weiter.

Viele Menschen fragen sich in solchen Momenten:


„Warum kann ich eigentlich nicht einfach entspannen?“


Vielleicht hilft es zu wissen: Damit sind Sie nicht allein.



Entspannung ist keine Fähigkeit, die man einfach einschaltet


Unser Nervensystem verarbeitet rund um die Uhr Informationen aus unserer Umgebung und aus unserem Körper. Es bewertet fortlaufend, ob wir uns sicher fühlen oder ob Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft gefragt sind.

Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht kann anhaltender Stress dazu führen, dass das Nervensystem sich an einen Zustand erhöhter Wachsamkeit gewöhnt. Manche Menschen beschreiben das Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen oder innerlich nie ganz abschalten zu können.

Das bedeutet nicht, dass mit ihnen grundsätzlich etwas nicht stimmt.

Vielmehr kann es eine nachvollziehbare Reaktion eines Systems sein, das über lange Zeit gelernt hat, aufmerksam und leistungsbereit zu bleiben.



Wie zeigt sich das im Alltag?


Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen, sehen oft ganz unspektakulär aus.

Vielleicht erkennen Sie sich in einigen dieser Situationen wieder:


  • Sie setzen sich mit einer Tasse Tee aufs Sofa und stehen fünf Minuten später wieder auf, weil Ihnen noch etwas einfällt.

  • Im Urlaub brauchen Sie mehrere Tage, bis Sie sich langsam entspannen können.

  • Sobald Ihr Kalender einmal leer ist, fühlen Sie sich unruhig oder sogar schuldig.

  • Beim Lesen oder Fernsehen schweifen Ihre Gedanken ständig zu unerledigten Aufgaben ab.

  • Selbst wenn Sie erschöpft sind, fällt es Ihnen schwer, einfach nichts zu tun.


Viele Betroffene berichten, dass sie sich fühlen, als wären sie dauerhaft „an“.



Warum kann Ruhe sich manchmal unangenehm anfühlen?


Aus psychologischer Sicht können dafür unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen.

Menschen, die über längere Zeit viel Verantwortung (getragen) haben oder unter chronischem Stress standen, erleben häufig, dass ihr Körper sich an ein hohes Aktivierungsniveau angepasst hat.

Auch belastende Lebensereignisse, Bindungserfahrungen oder neurodivergente Informationsverarbeitung können dazu beitragen, dass das Nervensystem Reize besonders intensiv verarbeitet und Erholung nicht sofort als selbstverständlich erlebt wird.

Psychische Prozesse sind jedoch individuell unterschiedlich. Nicht jede Person erlebt dies gleichermaßen, und ähnliche Erfahrungen können verschiedene Ursachen haben.



Es ist nicht so, das mit ihrem Körper etwas nicht stimmt


Viele Menschen bewerten ihre Schwierigkeiten beim Entspannen sehr kritisch.

Sie nennen sich faul, undiszipliniert oder glauben, sie müssten sich einfach mehr zusammenreißen.

Doch häufig führt genau diese Selbstkritik zu noch mehr innerem Druck.

Vielleicht lohnt sich stattdessen eine andere Perspektive:


Was hat Ihr Körper und Ihr Nervensystem über einen langen Zeitraum leisten müssen, um Ihren Alltag zu bewältigen?


Diese Frage verändert den Blick oft grundlegend. Sie lädt dazu ein, die eigenen Reaktionen nicht vorschnell zu verurteilen, sondern sie zunächst verstehen zu wollen.



Erste hilfreiche Impulse


Erholung bedeutet nicht zwangsläufig, sofort vollkommen stillzusitzen.

Für manche Menschen fühlt sich sogenannte „aktive Erholung“ zunächst sicherer an. Dazu können beispielsweise ein Spaziergang, ruhiges Handarbeiten, Lesen, Gartenarbeit oder andere gleichmäßige Tätigkeiten gehören.

Ebenso kann es hilfreich sein, sich kleine Momente ohne Leistungsanspruch zu erlauben – nicht, weil man sie sich erst verdienen muss, sondern weil das Nervensystem regelmäßig Phasen der Regeneration braucht.

Vielleicht möchten Sie sich in den kommenden Tagen immer wieder diese Frage stellen:


„Braucht mein Körper im Moment noch mehr Leistung – oder braucht er gerade Sicherheit und Erholung?“



Zusammenfassung


  • Schwierigkeiten beim Entspannen sind keine Seltenheit.

  • Chronischer Stress kann dazu beitragen, dass das Nervensystem dauerhaft auf Aktivität eingestellt bleibt.

  • Ruhe kann sich deshalb ungewohnt oder sogar unangenehm anfühlen.

  • Diese Reaktionen können nachvollziehbar sein und bedeuten nicht automatisch, dass etwas „nicht stimmt“.

  • Kleine, regelmäßige Momente der Erholung können oft leichter zugänglich sein als der Anspruch, sofort vollständig abzuschalten.



Download





Abschluss

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen und sich psychologische Unterstützung wünschen, begleite ich Sie gerne im Rahmen meiner trauma-informierten, bindungsorientierten und neuroaffirmativen Online-Praxis.


Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und Psychoedukation. Er ersetzt keine psychologische Diagnostik, Beratung oder Psychotherapie.

 
 
 

Kommentare


Impressum     Datenschutz     AGB

© 2026 Marjolein Loomans 

Das Angebot ersetzt keine psychiatrische, medizinische oder heilkundliche Psychotherapie

bottom of page